Finanzbildung: So sprechen Sie mit Ihren Kindern über Geld

Am 05.03.2021 veröffentlicht von der Blog-Redaktion der OLB

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Kinder und Geld

Die Einkäufe sind im Kofferraum verstaut, das Kind ist auf der Rückbank angegurtet. Während der Fahrt nach Hause tönt es plötzlich von hinten: „Mama, was ist Geld?“ Eltern kennen das Spiel. Auf eine W-Frage folgt wohl bald die nächste. Aber wie schon Schriftsteller Erich Kästner sagte: „Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht.“

Gerade bei komplexen Themen ist eine kindgerechte Beantwortung der Fragen von entscheidender Bedeutung. Ein Kind im Kita-Alter kann nichts mit Dispozinsen und ETFs anfangen, und eine inhaltliche Überforderung führt nur dazu, dass es das gesamte Themenfeld für sich als zu schwierig oder langweilig abhakt. Daher sollte sich die Beantwortung von Finanzfragen stets am Alter und an den Interessengebieten des Kindes orientieren.

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Die Welt des Geldes ist extrem vielschichtig, und so kann die Beantwortung einer scheinbar simplen Frage zum Problem werden. Doch lassen Sie sich nicht entmutigen! Machen Sie Ihr Kind stattdessen zum wissenschaftlichen Helfer – und recherchieren Sie gemeinsam im Internet oder in der Bücherei nach Antworten.

Geld sollte kein Tabuthema sein

„Über Geld spricht man nicht, man hat es“, soll der US-amerikanische Öl-Milliardär Jean Paul Getty mal gesagt haben. Diesem Getty-Gebot wollen wir hier ausdrücklich widersprechen: Reden Sie mit Ihrem Kind schon im Vorschulalter offen über finanzielle Themen. Denn wenn Kinder merken, dass „Geld“ im Familienkreis ganz selbstverständlich ein Gesprächsthema ist, werden sie sich dafür interessieren. Finanzen sind in unserer Gesellschaft viel zu häufig ein Tabu – das sollten sie nicht sein.

Nutzen Sie Alltagssituationen, um auch die Grundzüge der Finanzwelt in der Praxis zu vermitteln. Der Einkauf im Supermarkt, das Feilschen auf dem Flohmarkt, die Online-Überweisung oder die Benutzung des Geldautomaten – es gibt viele Möglichkeiten, um seinem Kind finanzielles Basiswissen zu vermitteln und damit zu verdeutlichen: Geld ist ein elementarer Bestandteil des Lebens.

„Das will ich aber!“ – Eltern als Vorbild

Seinem Kind den richtigen Umgang mit Geld nahezubringen: Das wollen wohl alle Eltern. Aber was bedeutet „richtig“ und „falsch“ in diesem Zusammenhang? Die Antworten auf diese Frage fallen naturgemäß sehr individuell aus. Einig sind sich die meisten Eltern aber darin, dass Geld oder finanzieller Wohlstand kein selbstverständliches Gut ist. Und dass Kinder den Wert des Geldes verstehen müssen.

In unserer Konsumgesellschaft ist das oftmals kein leichtes Unterfangen. Auch hier greift zunächst die Vorbildrolle der Eltern. Reflektieren Sie Ihr eigenes Konsumverhalten: Wie gehe ich mit Geld um? Welche Werte vermittle ich dadurch meinem Kind?

Nutzen Sie die Gelegenheit, wenn Ihr Kind das nächste Mal an der Spielwarenabteilung hängen bleibt und empört „Das will ich aber!“ ruft. Diskutieren Sie mit ihm: Brauchst du das wirklich, obwohl zu Hause schon dieses oder jenes in den Regalen steht? Der Umgang mit Verzicht ist eine wichtige Lektion für jedes Kind.

Mit dem eigenen Geld haushalten

Mithilfe von Taschengeld lernen Kinder erstmals, mit den eigenen Finanzen zu planen und zurechtzukommen. Sie müssen den Umgang mit Geld aktiv erleben und sich ausprobieren, dazu gehören auch Fehlentscheidung. Wie etwa die Erfahrung, dass man den Rest des Monats ohne Geld auskommen muss, wenn das komplette Taschengeld schon in der ersten Woche in Süßigkeiten investiert wurde.

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Erklären Sie Ihrem Kind in diesem Fall, wieso es erst am Anfang des nächsten Monats wieder Taschengeld gibt. Oder fragen Sie: „Was könntest du in Zukunft anders machen, damit du dir deinen Wunsch erfüllen kannst?“ Dadurch lernt es, selbstverantwortlich zu handeln und sich nicht auf die Hilfe von Mama und Papa zu verlassen. Bei jüngeren Kindern kann es helfen, das Taschengeld anfangs erst einmal wöchentlich zu zahlen.

Dies kann auch spielerisch vermittelt werden. Zum Beispiel durch das Sparschwein, das – wie jedes andere Haustier auch – regelmäßig gefüttert werden muss. Sobald dann ein größerer Wunsch aufkommt, ist die Freude groß, wenn das Sparschwein gut gefüllt ist.

Finanzlexikon: Die Tradition des Sparschweins geht bis ins Mittelalter zurück. Das Schwein gilt in hiesigen Kulturen als Glücksbringer und Symbol der Fruchtbarkeit. Mehr Ferkel, mehr Münzen also? So könnte man es sagen. Nicht umsonst haben die Hausfrauen in England schon damals ihre Pennys in sogenannte „Pygg banks“ geworfen. Mit der Zeit haben die Gelddosen immer mehr an Variabilität gewonnen. Eichhörnchen, der berühmte Goldesel, Marienkäfer oder sogar Kunststoff-Elefanten dienen als Aufbewahrungsort für Münzen. An das Sparschwein kommt aber kein anderes Tier heran.

Das Sparschwein wird dann ab einem gewissen Alter vom eigenen Bankkonto abgelöst. Und auch die Wünsche und Anforderungen werden komplexer und vor allem teurer – etwa im Hinblick auf die Finanzierung des Führerscheins oder den Umgang mit dem ersten eigenen Gehalt. Sparen zu lernen und Wünsche aufzuschieben, anstatt einem spontanen Verlangen einfach nachzugeben: Das hat sehr viel mit dem Erlernen von Impulskontrolle zu tun. Und diese Fähigkeit ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Leben.

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Wie Kinder im Laufe des Erwachsenwerdens mit der Ressource Geld zurechtkommen, hängt in allerersten Linie von der finanziellen Intelligenz ab, die ihnen von den Eltern oder anderen erwachsenen Bezugspersonen beigebracht wurde. Das Thema Geld wird im Leben Ihres Kindes immer eine wichtige Rolle spielen. Wie gut es dabei im Umgang mit Materiellem und der finanziellen Vorsorge sein wird, hängt auch von Ihnen ab.
 

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