Marketingmitteilung

OLB Marktfocus

Ausgabe vom 21. Juni 2022

US-Notenbank und Russland bringen Märkte unter Druck

Die Märkte reagieren zum Ende des ersten Halbjahres 2022 sehr nervös. Dies hat vor allem zwei Gründe:

1. Die europäischen Gaspreise schnellen in die Höhe, nachdem Moskau seine Einschränkungen bei den Gaslieferungen verschärft hat.

Die Verbraucherländer sehen sich unterdessen mit der Möglichkeit konfrontiert, ihre Volkswirtschaften ohne russisches Gas am Laufen halten zu müssen. Die Kürzungen Russlands wirken sich auf ganz Europa aus: Unternehmen wie Engie, Uniper und OMV melden, dass sie weniger Gas erhalten. Deutschland bezeichnete die Kürzung der Lieferungen durch die Nord-Stream-Pipeline als “politisch motiviert” mit dem Ziel, die Märkte zu verunsichern. Das widerspricht der Erklärung von Gazprom PJSC, wonach der Stopp auf technische Probleme zurückzuführen sei.

Zurückliegende Wert-, Preis- oder Kursentwicklungen können für die zukünftige Entwicklung nicht gewährleistet werden. Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, da die Basiswährung von Euro abweicht.

Europa befürchtet seit Monaten russische Lieferkürzungen als Vergeltung für die Sanktionen, die wegen des Einmarsches in der Ukraine gegen Moskau verhängt wurden. Die jüngste Krise könnte Schlüsselindustrien von der Chemie- bis zur Stahlindustrie treffen – ein schwerer Schlag für den Kontinent, der ohnehin schon mit steigender Inflation und magerem Wachstum zu kämpfen hat. Gasrationierungen werden zu einer realen Perspektive. Die Nord-Stream-Lieferungen werden voraussichtlich auf knapp 65 Millionen Kubikmeter pro Tag sinken, wie aus den Mitteilungen hervorgeht. Damit ist der Gasfluss insgesamt zu etwa 60 % reduziert.

Der Schritt Moskaus erfolgt vor dem Hintergrund des Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem italienischen Premierminister Mario Draghi in Kiew zu Gesprächen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj.

2. Die amerikanische Notenbank erhöht die Leitzinsen um satte +0,75 % und damit so viel wie seit 1994 nicht mehr.

“Ich möchte mit einer übergreifenden Botschaft beginnen”, sagte der FED-Vorsitzende zu Beginn der FED-Pressekonferenz am 15. Juni: “Wir sind fest entschlossen, die Inflation zurückzudrängen, und wir werden dies zügig tun.” Somit schickt sich Jerome Powell an, die Nachfolge des legendären Inflationstöters Paul Volcker (FED Chef 1979-1987) anzutreten. Powell ist klar, dass die Eindämmung der ausufernden Inflation auch zu einer Rezession führen könnte.

Dabei sprach Powell sich erstmals offen dafür aus, die Zinssätze bis weit in den restriktiven Bereich hinein anzuheben, um den Arbeitsmarkt abzukühlen, was die Arbeitslosigkeit erhöhen würde – eine Strategie, die in der Vergangenheit häufig zu einem Wirtschaftsabschwung geführt hat.

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Zurückliegende Wert-, Preis- oder Kursentwicklungen können für die zukünftige Entwicklung nicht gewährleistet werden. Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft. Die Wertentwicklung kann durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, da die Basiswährung von Euro abweicht.

Die FED ist also bereit, eine – hoffentlich – kurze Rezession in Kauf zu nehmen, um eine Wiederholung der Fehler der 1970er Jahre mit langanhaltend hoher Inflation zu vermeiden. Die FED will die Nachfrage reduzieren und die Löhne senken, um dem beschränkten Angebot an Arbeitskräften zu begegnen und die Lohn-Preis-Spirale zu brechen. Powell machte deutlich, dass das oberste Ziel der Notenbank nicht die Pflege des Arbeitsmarktes, sondern die Eindämmung der Inflation sei.

Der Kurswechsel birgt nicht nur Gefahren für die Wirtschaft, sondern auch für die Finanzmärkte und Präsident Joe Biden. Die Aktienkurse sind in den letzten Monaten gefallen, da die FED die Kreditvergabe verschärft hat, um den Inflationsdruck in den Griff zu bekommen, der sich als hartnäckiger und verbreiteter erwiesen hat, als man noch Ende 2021 erwartet hatte. Biden muss derzeit erleben, wie seine Popularität mit dem Anstieg der Inflation abnahm. Eine Rezession – und die damit verbundene höhere Arbeitslosigkeit – würde den Präsidenten eines seiner wenigen Argumente berauben, mit denen er die Vorteile seiner Politik für die Wirtschaft anpreisen kann. Zur Erinnerung: Am 08.11.2022 stehen die Zwischenwahlen (Mid-Term-Election) zum US-Senat und Repräsentantenhaus an. Gut möglich, dass die Demokraten Joe Bidens ihre Mehrheiten in beiden Häusern verlieren. Das würde einem alten Bekannten Auftrieb geben. Sein Name: Donald Trump.

Fazit

Das erste Halbjahr 2022 geht zu Ende. Es war kein gutes Halbjahr. Sowohl auf den Aktien- als auch auf den Rentenmärkten gibt es deutliche Rückgänge zu beklagen. Der Krieg, die hartnäckige Inflation, die Lieferengpässe bei wichtigen Rohstoffen und ein schwächelndes China, das auf längere Corona-Lockdowns in großen Städten einzahlte, sind als Hauptgründe zu nennen. Optimismus geben uns vielfach die Unternehmen selbst, die von hohen Auftragseingängen und auch steigenden Gewinnen berichten können.

Sodann bleibt die Hoffnung auf Besserung, denn eines erscheint uns relativ klar. Sobald der Funke Hoffnung, z. B. auf einen Waffenstillstand in der Ukraine, auch nur ein bisschen aufglimmt, werden die Märkte dies mit einem regelrechten Feuerwerk honorieren. Deshalb verfallen wir nicht in Panik, sondern warten aufgrund unserer guten Liquiditätsposition darauf, Schnäppchen einzusammeln, die es auch schon heute hier und da gibt. Das gilt auch für Anleihen, die inzwischen wieder gute, positive Renditen zeigen. Haben wir darauf nicht lange gewartet und uns den Negativzins weggewünscht? Endlich bekommen wir wieder einen Konjunkturzyklus und einen Zins, der die Märkte ordnet und regelt. Ehrlich gesagt: Ich freu mich drauf!

Im Video: Ausblick auf die Kapitalmarktentwicklung

Corona, Ukraine, Inflation und daraus resultierende Unsicherheit bei vielen Menschen: Was bedeutet all das für die Kapitalmärkte und ihre Entwicklung im weiteren Verlauf des Jahres 2022? Christoph Siebecke, Leiter Kapitalmarktanalyse der OLB Bank, hat sich mit diesen Aspekten intensiv auseinandergesetzt – und gibt ein Update zur aktuellen Situation und den Aussichten. Dabei blickt er auch auf das Vorgehen von EZB und FED, das Thema Zinsen sowie den Immobilienmarkt.

Hören und sehen Sie jetzt im Video-Interview seine Einschätzung.

Wichtige Hinweise

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Kein Angebot, keine Beratung

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Wertentwicklung

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