OLB Marktfocus

Ausgabe vom 7. Januar 2022

Die Zinswende in den USA scheint angekommen

Das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung wurde nunmehr am 5. Januar 2022 veröffentlicht. Folgendes ist daraus zu entnehmen: Die US-Notenbanker haben bei ihrem Treffen Mitte Dezember ihr wachsendes Unbehagen über die hohe Inflation zum Ausdruck gebracht. Diese könne zu einer aggressiveren Reaktion zwingen. "Die Teilnehmer stellten allgemein fest, dass es angesichts ihrer individuellen Aussichten für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Inflation gerechtfertigt sein könnte, den Leitzins früher oder schneller zu erhöhen, als sie zuvor erwartet hatten", heißt es im Sitzungsprotokoll. Darüber hinaus "merkten einige Teilnehmer an, dass es angebracht sein könnte, relativ bald nach Beginn der Leitzinserhöhung mit der Reduzierung der Bilanz der Federal Reserve zu beginnen".

"Falkenhaftes" Verhalten

Die US-Notenbank FED hatte im Dezember 2021 wegen der gestiegenen Inflationsrisiken einen beschleunigten Ausstieg aus ihrer Krisenpolitik beschlossen. Sie will ihre Nettoanleihekäufe nun bereits im März 2022 und nicht erst im Juni beenden.

Außerdem stellte sie drei Zinserhöhungen für 2022 in Aussicht, während im September noch von einer einzigen Erhöhung die Rede gewesen war. Die jüngst starken Verbraucherpreisanstiege hatte sie nicht mehr als "vorübergehend" bezeichnet. Die Zinsen und Renditen in den USA steigen daraufhin aktuell deutlich an. In der Grafik sehen Sie den Renditeanstieg 10-jähriger US-Staatsanleihen.

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Zurückliegende Kursentwicklungen können für die zukünftige Entwicklung nicht gewährleistet werden. Angaben zur bisherigen Kursentwicklung erlauben keine verlässliche Prognose für die Zukunft.

Dieses unerwartet „falkenhaft“ (= aus geldpolitischer Sicht restriktive Vorgehen einer Notenbank) ausgefallene Protokoll der US-Notenbanksitzung sorgte für eine Schockwelle am Aktienmarkt. Besonders stark unter die Räder kamen die an den Vortagen bereits schwachen Nasdaq- und Emerging Markets Indizes, in denen die Aktien vieler als besonders wachstums-trächtig geltender Unternehmen enthalten sind. Sie gelten als besonders empfindlich gegenüber steigenden Zinsen, denn höhere Zinsen belasten die zukünftigen Gewinnaussichten dieser Unternehmen.

Fazit: Regimewechsel ante portas

Es scheint so, als ob die FED ihren roten Faden aus 2021 nun völlig verloren hat und eine 180-Grad-Kehrtwende vollzieht. Das Narrativ einer nur vorübergehenden Inflationsbeschleunigung scheint über Bord geworfen zu werden. Die FED, insbesondere der Vorsitzende Jerome Powell aber auch US-Finanzministerin Janet Yellen, haben sich in Anbetracht der Länge der Lieferengpässe wichtiger Güter und steigender Lohnkosten dramatisch geirrt. Die Märkte bekommen dies nun seit Jahresanfang zu spüren.

Ein neuer Trend scheint sich zu etablieren: steigende Zinsen - und zwar schneller als erwartet. Dieses Thema wird uns in den nächsten Wochen begleiten. Wie schnell und vor allem wie hoch werden die US-Zinsen steigen? Der europäische Zinsmarkt wird sich davon nicht gänzlich abkoppeln können und wir sehen auch in Deutschland die 10-Jahresrendite des Bundes auf fast 0 % von -0,40 % noch Mitte Dezember ansteigen. Am Aktienmarkt werden hochbewertet Wachstumsunternehmen z. B. aus der Technologie aber auch Kryptowährungen kurzfristig und heftig nach unten korrigiert.

Dass wir uns nicht missverstehen: Die (globale) Wirtschaft wird wachsen, denn die Auftragsbücher sind prall gefüllt. So bieten sich u. E. bei Industrie- und Infrastrukturunternehmen gute Chancen, auch weil diese vielfach eine gute Dividende zahlen, die einen schönen Puffer gegenüber Kurschwankungen und den – trotz allem – niedrigen Zinsen bieten. Gleiches gilt für Banken und Versicherungen, wo wir Analysten-Hochstufungen sehen. All diese Unternehmensbereiche haben deutlich geringere Bewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnisse) als die Technologiebranche. Dieses wird nun durch die Zinswende korrigiert bzw. gerade gerückt. Kurz gesagt: Es findet ein Wechsel „von Growth zu Value-Unternehmen“ statt, der dieses Mal etwas länger anhalten könnte.

Chancen

  • Bis dato wirken steigende Unternehmensgewinne und ein positiver Dividendenausblick für 2022 stützend.
  • Das Realzinsniveau (= Nominalzinsen minus Inflation) dürfte weiterhin negativ sein und u. a. Aktien stützen.
  • Die zugelassenen Impfstoffe und das schnellere Impftempo gegen das Corona-Virus wirken positiv.
  • Geld- und fiskalpolitische Stützungsprogramme (Infrastruktur, Klima, Digitalisierung, Bildung).

Risiken

  • Die  Omikron-Mutante des Corona-Virus wird als „besorgniserregend“ eingestuft.
  • Die hohen Rohstoffpreise könnten die Gewinne und Margen der Unternehmen belasten.
  • Hohe Inflationszahlen könnten früher als erwartet zu höheren Leitzinsen in den USA führen.
  • Chinas Regierung zieht die regulatorischen Zügel gegenüber marktmächtigen Unternehmen drastisch an.

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ein Blick in die Glaskugel

Wie sind die Aussichten für das Jahr 2022? Womit können Anleger rechnen? Und wo liegen die potenziellen Risiken? Antworten auf diese Fragen zu finden, ist kein leichtes Unterfangen – doch kann es einen Kompass für die raue Börsen-See im neuen Jahr bieten. An dieser Stelle kann bereits eines verraten werden: Es wird herausfordernd, wir blicken dennoch positiv in das neue Jahr.

Sehen Sie weitere Details im Interview mit Christoph Siebecke, Leiter der OLB-Kapitalmarktanalyse, der Einschätzung zu den Kapitalmärkten 2021/2022 abgibt.



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