Marketingmitteilung

OLB Marktfocus

Ausgabe vom 16. Mai 2022

Und täglich grüßt das Murmeltier

Beim Blick auf die Tagespresse wiederholen sich Tag für Tag die Nachrichten aus der Ukraine. Es gibt keine entscheidenden Entwicklungen in die eine oder andere Richtung. Der Krieg droht zur Normalität zu werden. Russland scheint sich immer weiter von seinen Zielen zu entfernen und geht immer härter gegen militärische, aber auch zivile Ziele vor, wenn man den Berichten der Kriegsberichterstattung trauen kann. Für das Land und die Menschen in der Ukraine bleibt die humanitäre Katastrophe im Fokus, da es militärisch hin-und-her geht. Der Osten der Ukraine bleibt stark umkämpft. Beide Seiten berichten weiterhin über eigene Fortschritte und Erfolge. Die Wahrheit ist allerdings nicht feststellbar und somit bleibt auch eine Einschätzung unmöglich, wann und wie der Krieg beendet werden kann. Es droht eine Hängepartie mit anhaltender Unsicherheit für ganz Europa und die internationalen Kaptalmärkte.

NATO-Beitritt von Schweden und Finnland immer wahrscheinlicher 

Während der Krieg in der Ukraine weiter tobt, wollen Schweden und auch Finnland unter den Schutzschirm des westlichen Verteidigungsbündnisses schlüpfen. Beide Regierungen sprachen sich am Wochenende bereits dafür aus und wollen kurzfristig einen offiziellen Antrag stellen. Der Beitritt würde eine weitere Osterweiterung der NATO bedeuten und Russland möglicherweise weiter provozieren, wie Präsident Putin in der Vergangenheit häufig klargestellt hatte. Die Reaktion Russland auf diese Entwicklung bleibt abzuwarten, dürfte aber für weitere Unruhe sorgen, auch wenn es für die westlichen Länder auf dem Papier bzw. der Landkarte ein mehr an Sicherheit bedeuten würde. Allerdings ist die Aufnahme noch nicht sicher, denn die Annahme bleibt von der Zustimmung aller aktuellen NATO-Mitgliedsstaaten abhängig. Zumindest die Türkei sprach sich bisher dagegen aus, während die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock nach einem NATO-Treffen in Berlin sagte, dass man die beiden Länder mit offenen Armen empfangen werden. Auch hier bisher keine klare Entscheidung.

Kapitalmärkte uneinheitlich erwartet – Energie- und Rohstoffe bleiben im Fokus

In der vergangenen Woche standen weiterhin die hohen Inflationsraten aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffpreise im Fokus der Anleger. Dies wird sich auch in dieser Woche nicht verändern und dürfte sich sogar durch die sich ausweitende Corona-Belastung in China eher verstärken. Insbesondere die Null-Covid-Strategie der chinesischen Regierung sorgt für starke Belastungen und weitere Lockdowns in China. Dies wurde zuletzt durch eine schwächelnde Industrieproduktion in China bestätigt. Aufgrund der Wichtigkeit der chinesischen Exporte für die Weltwirtschaft ist damit, insbesondere aufgrund der gestörten Lieferketten (z.B. durch die andauernde Schließung von chinesischen Häfen), mit zunehmenden Belastungen für andere Volkswirtschaften zu rechnen. An den Kapitalmärkten ist daher weiterhin mit höheren Schwankungen und Belastungen insbesondere bei Industrieunternehmen zu rechnen. Die weltweite Verunsicherung auf vielen Ebenen zeigte sich auch an den zuletzt veröffentlichten Zahlen der Uni Michigan zur US-Konsumentenstimmung, die auf den tiefsten Stand seit 2011 gesunken ist. Als Motor der Weltwirtschaft trüben sich damit auch die Aussichten für die US-Wirtschaft weiter ein. 

Keine Trendwende – Value interessanter als Growth – Wochenvorgaben für Aktien seitwärts 

Die Trends der letzten Wochen bleiben somit auch in dieser Woche intakt und setzen sich fort. Neben den Industrieunternehmen leiden weiterhin Wachstumsaktien (Growth) unter den höheren Bewertungen, da die zukünftigen Gewinne durch die steigenden Zinsen nach unten revidiert werden und zusätzlich durch schwächelndes Wirtschaftswachstum belastet werden, d.h. es die Wachstumsraten der Vergangenheit werden voraussichtlich nicht mehr erreicht. Im Vergleich mit dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an den internationalen Kapitalmärkten von Substanzwerten (Value) in Höhe von ca. 10, zeigen Wachstumsaktien, trotz der bereits erfolgten Korrekturen, immer noch ein KGV von über 20. Wachstumsaktien bleiben damit deutlich teurer und vor dem Hintergrund der abnehmenden Wachstumsdynamik der Konjunktur unattraktiver. Die Vorgaben für den Wochenstart der Aktienbörsen aus Asien und den USA sind seitwärts gerichtet - immerhin keine negativen Vorzeichen. Nach mehreren Verlustwochen konnte der deutsche Aktienmarkt am Freitag wieder eine positive Wochenentwicklung erreichen und somit bleibt die berechtigte Hoffnung auf Fortsetzung der Bodenbildung und dass mittlerweile viele der möglichen negativen Szenarien, wie eine zeitweise Rezession, eingepreist sein könnten. Der Blick in der aktuellen Woche bleibt auf viele Unternehmensberichte (über 40) in den USA und in Europa gerichtet. Diese werden dann hoffentlich einen besseren Einblick zu den Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Krisen auf die Unternehmensgewinne geben und eine bessere Einschätzung der Chancen an den Aktienmärkten ermöglichen.

Ausgabe vom 09. Mai 2022

Der 09.Mai – der 75. Tag – Tag der Entscheidung?

An der Kriegsfront in der Ukraine wohl kaum. An der Propagandafront ist für heute viel zu erwarten. Es bleibt aber nur die Hoffnung, dass in dieser Woche die Vernunft siegen wird. Es ist anzunehmen, dass Präsident Putin ganz große Propaganda anstreben wird und die Wahrheit keine Rolle spielen wird. Für die gesamte Welt wird es zunehmen unangenehmer, dass die Fronten zwischen Ost und West immer größer werden. Nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. 

Während in Moskau eine große Militärparade abgehalten wird, toben derweil die Kampfhandlungen im Osten der Ukraine unvermindert weiter. Eine weiterhin schwierige und unübersichtliche Situation, da die Richtung der angekündigten „Rede zur Nation“ von Präsident Putin für den weiteren Wochenverlauf von entscheidender Bedeutung sein dürfte. Insgesamt dürften die Fronten der beiden Kriegsparteien auch in dieser Woche verhärtet bleiben. Es bleibt somit die Hoffnung, dass Präsident Putin den heutigen 09.Mai nutzt, um seiner Bevölkerung einen Sieg zu „verkaufen“, der außerhalb der russischen Propaganda allerdings keiner ist. Es gilt die Kampfhandlungen zu beenden, da es seit Kriegsbeginn nur Verlierer, in Ost, wie in West gibt. Das wahrscheinlichste Szenario bleibt allerdings, dass es kein Ende der Kampfhandlungen geben wird und somit auch die Unsicherheit an den internationalen Kapitalmärkten in dieser Woche hoch bleiben wird. 

Rede an die Nation von Kanzler Scholz 

Die groß angekündigte „Rede an die Nation“ von Bundeskanzler Scholz am Sonntag war eher die Kategorie “ernüchternd”. Es war eher ein Bericht über Dinge, die NICHT-gemacht werden. Lösungsansätze, für Menschen in Deutschland in Verbindung mit den aktuell hohen Preissteigungen und vieler Lieferengpässe, Fehlanzeige. Schon der Sendezeitpunkt, der zeitgleich mit den ersten Prognosen der Landtagswahlen gesetzt wurde, war unglücklich. Nur die Grünen konnte in Schleswig-Holstein um wenige Prozentpunkte zulegen, während die SPD über 11% und die FDP über 5% der Wählerstimmen gegenüber der letzten Wahl verloren. Klarer Gewinner ist die CDU als Oppositionsführer im Bund. Diese kann mit dem besten Ergebnis seit 40 Jahren sich nun den Junior-Partner aussuchen, da es für eine absolute Mehrheit nur knapp nicht reichte. Eine weitere Niederlage für Kanzler Scholz. 

G7 einigt sich auf Öl-Import-Stopp – allerdings erst in ca. 6 Monaten!

Die G7-Länder haben sich auf einen geschlossenen Ausstieg aus dem Bezug von russischem Öl geeinigt. Für Russland bedeutet dies, dass eine der Haupteinnahmequellen für die russische Wirtschaft und somit auch für die Finanzierung des Krieges in der Ukraine versiegt – allerdings erst in 6 Monaten. Diesen Vorlauf benötigt die Staatengemeinschaft, um für Ersatzlieferwege zu sorgen. Für die Ukraine bzw. für die Ostukraine als Hauptziel der russischen Offensive, dürfte dies wahrscheinlich zu spät kommen. Zusätzlich wurden weitere Sanktion gegen Russland angekündigt. Insbesondere kündigte US-Präsident Biden an, dass nun auch US-Unternehmen keine Dienstleistungen mehr für russische Personen oder Unternehmen erbringen dürfen. Der Kalte Krieg setzt sich fort und führt zu immer mehr De-Globalisierung und stärkerer Regionalisierung. 

Unsicherheit geht damit mit den gleichen Themen in die nächste Woche

An den Kapitalmärkten dürfte insgesamt der Ölpreis, aufgrund des angekündigten Öl-Import-Stopps der G7, weiter höher tendieren. Eine Normalisierung bzw. eine Vergünstigung der Energiekosten ist somit zunächst nicht zu erwarten. Ebenso die Corona-Lage in China in Verbindung mit den anwachsenden Lieferengpässen bleiben ein unveränderter Belastungsfaktor. Chinas Lockdown-Politik drückt damit weiter auch auf die Gewinne der deutschen Unternehmen. Die Auswirkungen der geschlossenen chinesischen Häfen werden dabei allerdings erst in einigen Wochen sichtbar werden, d.h. wenn Schiffslieferungen ausbleiben und Vor- oder Fertigprodukte bei deutschen Unternehmen oder Verbrauchern fehlen werden. Dies könnte nochmals die Preise für bestimmte Produkte in die Höhe treiben bzw. ein Absinken der Inflation verhindern. In diesem Marktumfeld bleiben die Aussichten auch für Aktien in dieser Woche uneinheitlich und volatil. 

Positiv ist, dass das Ende der Pandemie in Deutschland bzw. die Lockerungen in vielen Ländern zu ausgelasteten Arbeitsmärkten und zunehmenden (Nachhol-)Konsum von privaten Haushalten in den letzten Wochen geführt haben. Die Wachstumsaussichten sind in den westlichen Ländern also gar nicht so schlecht. 

Allerdings bleibt die Inflation das alles bestimmende Thema. Es geht um den Erhalt der Kaufkraft. Die seit Jahresbeginn zwar stark gestiegenen (Nominal-)Zinsen führen zwar zu höheren Rendite für Rentenanlagen bei Neuinvestments, aber insgesamt dennoch zu einem Verlust, da die Zinseinnahmen die aktuellen Preissteigerungen nicht ansatzweise auffangen können. Rentenanleger dürfen sich weiterhin nicht von den höheren (Nominal-)Zinsen täuschen lassen, sondern müssen immer die Realzinsen (Zins minus Inflation) und damit die Kaufkraft im Auge behalten. 

Kaufkraft bzw. die Realzinsen im Auge behalten – Krise aber als Chance!

Die geopolitischen Unsicherheiten bleiben weltweit unverändert hoch und sind insbesondere mit der Entwicklung der Inflationsrate und den Entwicklungen in der Ukraine verknüpft. Diese Lieferengpässe in Verbindung mit der Ukraine-Krise werden somit in den nächsten Wochen für einen weiteren Preisauftrieb (Inflation) sorgen. Sachwerte bleiben damit der wichtigste Baustein und aktuell günstig. Energie-, Rohstoff- und nicht-zyklische Unternehmen profitieren weiter von den aktuellen Entwicklungen. Insgesamt bleiben damit (Qualitäts-)Aktien im Blick. Gerade strategisch und längerfristig ausgerichtete Investoren können aktuell wieder auf Schnäppchenjagt an den Aktienmärkten gehen. An den Rentenmärkten dürfte sich insgesamt die Kursschwäche (steigenden Zinsen) anhalten. Die aktuellen Risikoaufschläge („Spreads“) gegenüber Staatsanleihen lassen Unternehmensanleihen schlechterer Bonität kaum attraktiv erscheinen. Anleger sollten weiterhin auf kurze Laufzeiten (kurze Duration) setzen. 

Auf der konjunkturellen Seite stehen diese Wochen einige möglicherweise richtungsweisende Zahlen an. In den USA wird über die Entwicklung der Im- und Exportpreise, der Arbeitskosten (Erzeugerpreise) und Arbeitsmarktdaten (Erst- und Folgeanträge für Arbeitslosenhilfe). Diese könnten Annahmen über die weitere Inflationsentwicklung in den USA verdeutlichen. In Deutschland und für Europa werden die Konjunkturerwartungen der ZEW erwartet. Diese könnten etwas mehr Aufschluss auf die Auswirkungen der geopolitischen Lage auf die Unternehmen, aber auch auf die Stimmung der Verbraucher geben. 

Insgesamt bleibt die Unsicherheit bestehen, aber immerhin zeichnet sich eine Bodenbildung ab…

 

Ausgabe vom 02. Mai 2022

Stabilisierung auf tiefem Niveau, aber Öl-Embargo droht

Auch im Mai kein anderes Bild in der Ukraine. Die Kämpfe gehen unvermindert weiter. Währenddessen laufen verschiedene Evakuierungsversuche der ukrainischen Seite und internationalen Hilfsorganisationen. Eine weiterhin sehr schwierige und unübersichtliche Situation. Die Kriegsparteien kommen sich auch Anfang Mai keinen echten Schritt näher in Richtung Waffenstillstand oder Frieden. Die gegenseitigen Vorwürfe nehmen derweil eher zu als ab. Während der ukrainische Präsident Selenskyj die Kriegsstrategie Russlands als sinnlos bezeichnet, macht mittlerweile Russlands Außenminister Lawrow erneut die USA für den Krieg in der Ukraine verantwortlich. Es bleibt, wie es war, Russland steht international immer isolierter dar und schlägt daher immer stärker verbal um sich. Eine wichtige Wende gibt es Anfang Mai dennoch, denn die Bundesregierung unterstützt nun doch den Import-Stopp für russisches Öl innerhalb der europäischen Gemeinschaft. Diese wird in dieser Woche ein 6. Sanktionspaket gegen Russland diskutieren und wohl zeitnah auf den Weg bringen. Nach den Aussagen der Bundesregierung ist Deutschland nur noch zu ca. 12% von russischen Öl-Lieferungen abhängig.

6. Sanktionspaket bringt wohl doch einen Öl-Import 

Die Stimmung an den internationalen Kapitalmärkten bleibt damit weiter angespannt. Nicht nur weil es in der Russland-Ukraine-Krise keine nennenswerten Annäherungen der Kriegsparteien gibt, sondern auch weil es immer mehr Anzeichen für eine länger anhaltende und eingetrübte Konjunkturlage gibt. Diese würde durch ein Öl-Embargo weiter verstärkt. Zusätzlich belasten seit einigen Wochen neue Nachrichten zur immer stärkeren Ausbreitung des Corona-Virus in China die weltweiten Märkte. Die dortige Welle von neuerlichen Lockdowns aufgrund der chinesischen „Null-Covid-Politik“ führt zu einer weiteren Verstärkung der globalen Lieferengpässe. Insbesondere die Corona-bedingte Schließung des weltweit größten Hafens in Shanghai wirkt aktuell wie ein „Brandbeschleuniger“. An eine Auflösung der chinesischen Lockdowns ist vorerst nicht zu denken, eher an eine nochmalige Ausweitung. Diese Lieferengpässe in Verbindung mit der Ukraine-Krise werden somit in den nächsten Wochen für einen weiteren Preisauftrieb (Inflation) sorgen. Die hohe Nachfrage nach Rohstoffen, aber auch nach Vor- oder Fertigprodukten, trifft daher auf ein immer kleiner werdendes Angebot aufgrund ausfallender Produktionen oder gestörter Lieferketten. Insgesamt verschlechterte sich die Kapitalmarkt- und Konjunkturstimmung in den letzten Wochen merklich. Die weiter rückläufigen „Erwartungen“ signalisieren sogar, dass das Ende der Fahnenstand noch nicht erreicht scheint und in den nächsten Wochen mit weiteren „Enttäuschungen“ zu rechnen sein dürfte. Dieses drückte sich auch im Ifo-Geschäftsklimaindex aus, der sich im April zwar leicht aufgehellt hat (auf 91,8), damit allerdings den deutlichen Einbruch vom März nicht ansatzweise kompensieren konnte. Als Interpretation bleibt aktuell nur die Aussage: „Stabilisierung auf tiefem Niveau!“. Eine nachhaltige Trendwende ist aktuell somit noch nicht erkennbar.

Aktuell veröffentlichte Konjunkturzahlen beinhalten die Gefahr von neuen Enttäuschungen 

In der kommenden Woche richtet sich das Augenmerk auf viele verschiedene konjunkturell richtungsweisende Zahlen. Neben detaillierteren Inflationszahlen aus der Eurozone und Deutschland folgen verschiedene Stimmungsindikatoren und Einzelhandelsdaten aus der Eurozone. In Deutschland werden die Im- und Exportdaten, die Entwicklung der Handelsbilanz und der Industrieproduktion erwartet. Hierbei geht es um die Frage, ob und wie stark eine mögliche Rezession in Deutschland eintreten wird. Bisher berichten die Unternehmen überwiegend von vollen Auftragsbüchern, guter Produktionsauslastung und soliden Gewinnen im ersten Quartal 2022. Ebenso stehen die Produzentenpreise im Blickpunkt, die zuletzt insbesondere durch die hohen Preise für Nahrungsmittel und Rohstoffe negativ beeinflusst wurden und so ein Indikator für die weitere Inflationsentwicklung in den nächsten Wochen sein werden. In den USA stehen Arbeitsmarktzahlen und erste Schätzungen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal 2022 im Fokus. Die US-Notenbank FED wird am Mittwoch die Leitzinsentscheidung veröffentlichen. Hier wird erstmal seit Jahren mit einem Zinsschritt von +0,5% gerechnet. Die Markterwartungen an die Höhe der US-Leitzinsen (Fed Funds Rate) zum Jahresende 2022 wurden in der letzten Woche von 2,5% auf nahezu 3,0% nach oben geschraubt. Damit wächst auch die Furcht, dass die FED die Wirtschaft in eine Rezession treiben könnte. In dieser Woche gibt es also viel Potential für höhere Schwankungen an den internationalen Kapitalmärkten – in beide Richtungen.

Einzelheiten können Sie in unserem ausführlichen aktuellen Marktfocus nachlesen. Diesen finden Sie hier auf unserer Homepage.

 

Ausgabe vom 25. April 2022

Aufatmen in Westeuropa 

Der Tag 60 des Ukraine-Krieges war zugleich der Tag der französischen Präsidentenwahl. Eine Richtungsweisende für Europa. Nach langer Zeit endlich einmal wieder ein Grund zur Freude für Europa. Der erneute, recht deutliche, Wahlsieg des bisherigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron sorgte am Sonntagabend für ein Aufatmen in ganz Westeuropa. Zumindest vorerst wurde in Frankreich der Vorstoß der Rechtspopulisten, unter Führung der Oppositionsführerin Marine Le Pen gestoppt und ein Zeichen „FÜR“ Europa“ gesetzt. Im Zusammenhang mit dem unvermindert fortgehenden Ukraine-Krieg ist der Wahlsieg von Präsident Macron positiv zu bewerten, der nun seine Chef-Vermittlerrolle zwischen dem Westen und Russland gestärkt fortsetzen kann. Ein wichtiges Signal aber auch für die europäische Sicherheitspolitik und die deutsch-französischen Wirtschaftsprojekte, die in den nächsten 5 Jahre weiter ausgebaut werden können.

Währenddessen bleiben die Fronten im Ukraine-Krieg wohl auch in der 9. Woche verhärtet. Ein Ende oder auch nur eine Beruhigung scheinen weiterhin ausgeschlossen. Es zeichnen sich eher weitere Eskalationen insbesondere im Osten der Ukraine ab. Im Fokus steht am Wochenanfang der Besuch am Sonntagabend von US-Außenminister Blinken und US-Verteidigungsminister Austin in Kiew bei Präsident Selenskyj. Das Treffen, welches am Montagmorgen bereits wieder beendet sein soll, fand unter höchster Geheimhaltung statt. Ergebnisse sind damit erst mit Zeitverzögerung zu erwarten, die aber richtungsweisend sein könnten. Insgesamt dürften weitere US-Militärhilfen (im Gespräch sind nochmals 300 Mio. US-Dollar für Waffenlieferungen zur Unterstützung der ukrainischen Truppen im Donbas) und eine schrittweise Rückkehr von US-Diplomaten in die Ukraine durch die USA zugesagt worden sein. Diese noch unbestätigten Ergebnisse dürften die Position der Ukraine gegenüber Russland weiter stärken. 

Politik Deutschlands wird in Europa weiter kritisch betrachtet 

In Deutschland bleibt der Druck auf die Bundesregierung, in Bezug auf die Lieferung von „schweren Waffen“ und dem „Energie-Import-Stopp“ aus Russland, hoch. Eine echte Bewährungsprobe für die neue „Ampel-Regierung“, da sich die Stimmung gegen die zurückhaltende Politik und insbesondere die Kommunikation von Kanzler Scholz zunehmen verschlechtert. In Europa bleibt damit die Position Deutschlands in gewisser Weise weiter „isoliert“. Rund 2 Monate nach der Ankunft der ersten Flüchtlinge in Deutschland, findet zu Beginn der Woche ein erster Flüchtlingsgipfel statt. Hierbei wird es insgesamt um die bundesweite Verteilung der Flüchtlinge und die schnelle Integration in den Arbeitsmarkt gehen. Dies könnte für den deutschen Arbeitsmarkt, der weiterhin in Richtung Vollbeschäftigung tendiert und wo viele Stellen nicht besetzt werden können, insgesamt ein positives Signal setzen und damit die rezessionsgefährdete deutsche Wirtschaft stützen. Insgesamt bleiben allerdings die Energie- und Rohstoffpreise das größte Risiko für die europäischen Volkswirtschaften. Ein Aktionsplan der Bundesregierung hätte damit höchste Priorität, allerdings sind – nach Meinung vieler Experten – kaum entscheidende Durchbrüche absehbar. Viele innerpolitische Grabenkämpfe behindern aktuell zusätzlich und somit konnten bisher keine einheitlichen Vorschläge durch die „Ampel-Koalition“ in den Bundestag eingebracht werden.     

Inflation und Zinsen weiter auf dem Vormarsch 

Der weltweite Zinsanstieg vor dem Hintergrund der immer größeren Lieferengpässe und steigenden Rohstoffpreise, dürfte sich auch in der neuen Woche weiter fortsetzen. Nach den sehr steilen Zinsanstiegen in Euro und in US-Dollar in der letzten Zeit ist allerdings mit einer Abnahme der Dynamik zu rechnen. Einen Trendbruch wird es aber bei den aktuellen Rahmenbedingungen auch in dieser Woche nicht geben können. In Euro bleibt das – vor wenigen Wochen nicht für möglich gehaltene – Renditeniveau von 1,00% für 10-jährige Bundesanlagen im Blick und so notierte die 10-jährige Bund-Rendite am Montagmorgen bei +0,96%. In den USA ist eine ähnliche Zinsentwicklung erkennbar, allerdings steht dort das Niveau von 3,00% im Fokus (siehe Grafik). 

 
Anleihenzinsen USA DE

In beiden Ländern bleiben die Realzinsen damit deutlich negativ (Kaufkraftverlust), da die Inflationsraten (Preissteigerungsraten) jeweils deutlich höher liegen. Ein Ende ist nicht absehbar, solange der Ukraine-Krieg nicht beendet und auch die Corona-bedingten Lieferausfälle aufgrund der Schließung chinesischer Häfen (insbesondere des weltgrößten Hafens ins Shanghai) nicht aufgelöst werden können. Mit einer Normalisierung ist aber selbst bei schneller Lösung dieser Probleme erst mit längerer Zeitverzögerung zu rechnen. Es erscheint damit wahrscheinlich, dass die Belastungen für die internationalen Volkswirtschaften und Kapitalmärkte nicht Wochen, sondern eher Monate andauern dürften. Investoren müssen damit insbesondere an den Aktienmärkten weiterhin mit höheren Schwankungsbreiten kalkulieren.

Auf den aktuellen Konjunkturzyklus bezogen erwarten die Marktteilnehmer weiterhin, dass die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen angesichts der derzeit hohen Inflation im Jahresverlauf weiter kräftig anheben wird. Aber auch die EZB (Europäische Zentralbank) steuert Insidern zufolge auf eine Zinserhöhung bereits im Sommer zu. Zusätzlich sollen die Anleihenkäufe der EZB so schnell wie möglich beendet werden. Diese Beendigung ist eine Voraussetzung für einen ersten Zinsschritt. Die Marktteilnehmer rechnen in Euro aktuell mit noch zwei Leitzinserhöhungen im laufenden Jahr.

Kapitalmärke weiter aufgrund stark steigender Zinsen beunruhigt

Mit dem Ukraine-Krieg, der China-Corona-Lockdowns, der hohen Inflation und der starken Zinsanstiege in den letzten Wochen bleiben an den internationalen Kapitalmärkten viele Unsicherheitsfaktoren aktiv und dürften auch in dieser Woche für höhere Schwankungen sorgen. Dementsprechend sind die Vorgaben aus den USA und aus Asien für die europäischen Aktienmärkte am Montagmorgen deutlich schwächer. Im Wochenverlauf ist somit vorerst nicht mit einer Aufhellung zurechnen, sondern eher mit einem „Verteidigungskampf“ der wichtigen Unterstützungen, wie z.B. der psychologisch wichtigen Marke von 14.000 Punkten im deutschen Leitindex DAX. Insgesamt ist somit mit einer uneinheitlichen bzw. seitwärts gerichteten Wochenentwicklung an den Aktienmärkten zu rechnen – mehr ist aktuell wohl nicht zu erwarten.

Ausgabe vom 12. April 2022

Eine weitere unruhige Woche liegt vor uns

Auch für die siebte Woche des Kriegs in der Ukraine gibt es wenig Aussicht auf ein schnelles Ende. Es zeichnen sich eher weitere Eskalationen ab. So sprach der ukrainische Präsident in einer TV-Ansprache von einem möglichen Chemiewaffenangriff seitens Russlands. Auch der ukrainische Abgeordnete Iwanna Klympusch vermeldete via Twitter, dass Russland in Mariupol “unbekannte Substanzen” eingesetzt haben soll. Eine Aufklärung scheint in dieser undurchsichtigen Gemengelage schwierig. Als Konsequenz fordert die Ukraine nun weitere schwere Waffen, um Russland zurückzudrängen. Zwar konnten die ukrainischen Truppen in den letzten Tagen Gebiete im Norden zurückerobern und Russlands zu einem Teilrückzug bewegen, allerdings gehen die Kämpfe im Osten dafür umso stärker weiter. So gut der Rückzug der russischen Truppen auch für den Friedensfortschritt auf den ersten Blick aussehen mag, desto schlimmer sind die mit dem Rückzug nun sichtbaren Kriegsfolgen. Das Bild in der Ukraine offenbart vollkommen zerstörte Landstriche, Städte und ein extrem hohes Maß an humanitären Problemen. Der Wiederaufbau dürfte Jahre dauern.

Politischer Wechsel in Frankreich | Wahlausgang

Mitten in der aktuellen Krise findet nun auch noch die französische Präsidentenwahl statt, die für die europäische Wirtschaft, aber auch für die europäische Sicherheitspolitik als richtungsweisend anzusehen ist. Allerdings mehren sich auch hier die Unsicherheitsfaktoren, da die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen bei ihrem dritten Anlauf immer stärkeren Zuspruch bekommt. Für etwas Beruhigung sorgte nun der Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen. Diese konnte Amtsinhaber Emmanuel Macron für sich entscheiden und trifft nun in der Stichwahl auf die Rechtspopulistin. Es kristallisiert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen heraus. Der aktuelle Präsident Macron hat bisher weitgehend auf den Wahlkampf verzichtet und bisher vergeblich gehofft, dass er sich als Pandemie- und Putin-Beruhiger in den Vordergrund bringen kann. Für Europa in der aktuellen Situation wäre ein Machtwechsel in Frankreich in Richtung Rechtsaußen eine erstzunehmende Gefahr für die Stabilität und den Zusammenhalt.

US-Zinsstrukturkurve im Blick der Anleger

Viele Marktteilnehmer blicken derzeit beunruhigt auf die stark abgeflachte und teilweise inverse Zinsstrukturkurve in den USA. Die Zinsstrukturkurve ist die grafische Darstellung der laufenden Verzinsung von Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten. Verläuft die Kurve flach, bedeutet dies, dass es zwischen kürzeren und längeren Laufzeiten einen nur geringen oder gar keinen Zinsunterschied gibt. Verläuft die Kurve invers (umgekehrt), liegt die Verzinsung am „langen Ende“ niedriger als am „kurzen Ende“. Zuletzt verlief die Zinsstrukturkurve über einige Laufzeiten hinweg invers. Die viel beachtete Zinsdifferenz zwischen 2- und 10-jähriger US-Staatsanleihen rutschte am 1. April zum ersten Mal seit 2019 ins Minus. Auf den aktuellen Konjunkturzyklus bezogen scheinen die Marktteilnehmer zu erwarten, dass die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen angesichts der derzeit hohen Inflation zunächst kräftig anheben wird, dann aber wieder senken muss, weil sich die Konjunktur eintrübt. Aktieninvestoren gibt derweil Grund zur Sorge, dass sich in der Vergangenheit inverse US-Zinskurven häufig als Indikator für eine bevorstehenden Rezession in den Vereinigten Staaten erwiesen haben. Ein Ende des aktuell laufenden US-Konjunkturzyklus ist allerdings derzeit noch nicht zu erkennen. US-Notenbank-Chef Jerome Powell gab zudem im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen dem aktuellen Verlauf der Zinskurve und einer bald drohenden Rezession jüngst Entwarnung: Er sehe noch kein Ende des aktuellen Konjunkturzyklus heraufziehen. Tatsächlich könnten inverse Zinskurven zwar auf eine bevorstehende Rezession hindeuten. In der Vergangenheit vergingen nach einer Invertierung der 2- bis 10-jährigen US-Zinskurve aber noch durchschnittlich 19 Monate bis zum Eintritt der USA in eine Rezessionsphase. In dieser Zeit konnten die Aktienmärkte im Durchschnitt sogar zulegen.

Kapitalmärke aufgrund schneller steigender Zinsen beunruhigt

Neben dem Ukraine-Krieg und seinen Auswirkungen, bleibt die Zinsentwicklung die zweite große Baustelle an den internationalen Kapitalmärkten. Dementsprechend taten sich die europäischen Börsen zum Wochenauftakt schwer. Für den deutschen Leitindex zeigte sich am Montag bereits ein volatiles Geschäft. Am heutigen Dienstag testet der DAX die psychologisch wichtige Marke von 14.000 Punkten. Dieses gesamte Szenario sorgte auch an den internationalen Aktienmärkten insgesamt für fallende Kurse. Eine Fortsetzung dieses Trends erscheint auch in der aktuellen Woche wahrscheinlich. 

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