dpa-AFX: AKTIE IM FOKUS: Spartenverkauf macht Gerresheimer-Aktionären etwas Hoffnung
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der geplante Verkauf des Behälterglasgeschäfts könnte
den arg gebeutelten Aktien von Gerresheimer am Dienstag frisches
Leben einhauchen. Auf der Handelsplattform Tradegate stiegen sie am Morgen im
Vergleich zum Xetra-Schluss um rund fünf Prozent auf 44,56 Euro.
Die Aktien sind unter dem Strich seit dem Rekordhoch von knapp 123 Euro aus
dem September 2023 auf Talfahrt; ein letztes Aufbäumen gab es im Frühjahr 2025
im Zuge von Übernahmefantasien. Die platzten dann aber endgültig im Juli,
nachdem der MDax-Konzern entsprechende Gespräche mit
Finanzinvestoren beendet hatte.
Damit rückte die schwierige fundamentale Situation von Gerresheimer wieder
voll in den Fokus. Das Unternehmen bekam zuletzt eine schwache Nachfrage im
Kosmetikbereich zu spüren, weil Hersteller in der Folge weniger Flakons und
Tiegel bestellen. Und auch im Geschäft mit oral einzunehmenden flüssigen
Medikamenten lief es nicht rund. Daher mussten die Düsseldorfer ihre
Wachstumsziele für das laufende Jahr im Juli weiter nach unten schrauben, auch
die mittelfristigen Ambitionen wurden gestutzt.
Analyst Harald Hof von MWB Research wies unlängst zudem auf die Verschuldung
von Gerresheimer hin, die durch die Übernahme des italienischen
Glas-Spezialisten Bormioli im vergangenen Jahr gestiegen sei. Hinzu komme der
allgemeine Zinsanstieg, der die Finanzierungskosten deutlich erhöhe.
Wohl auch deshalb hatte der Gerresheimer-Vorstand Anfang Juni mitgeteilt,
dass die Dividende für das vergangene Geschäftsjahr auf das gesetzliche Minimum
gekürzt wird.
Alles in allem drückte das den Aktienkurs von Gerresheimer bis zum gestrigen
Montag mit 41,50 Euro auf ein Tief seit Ende 2014. Das bedeutete für Aktionäre
einen Wertverlust von zwei Dritteln seit dem Rekordhoch vor nicht einmal zwei
Jahren.
Nun soll der Verkauf des Behälterglasgeschäfts (Moulded Glass) es offenbar
richten. Eine Prüfung der Optionen für diesen Bereich, den Gerresheimer im
vergangenen Jahr im Zuge der Bormioli-Übernahme neu aufgesetzt hatte, lief schon
eine Weile.
Analyst Alexander Galitsa von Hauck Aufhäuser Investment Banking hatte im
Juni bereits betont, dass ein Verkauf des Behälterglasgeschäfts deutliche Werte
freisetzen würde. 780 bis 900 Millionen Euro könnten so wohl erlöst werden,
schätzte er damals. Das würde die Verschuldungssituation verbessern. Zudem würde
das Geschäft weniger kapitalintensiv und transparenter werden.
So will Gerresheimer sich auch mithilfe dieses Spartenverkaufs zu einem
reinen System- und Lösungsanbieter für die Pharma- und Biotech-Branche
wandeln./mis/ck/zb