dpa-AFX: ROUNDUP/Stresstest: Bankenaufsicht sieht EU-Banken für schwere Krise gerüstet
PARIS/FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Banken in der Europäischen Union sind für
eine schwere Wirtschaftskrise nach Ansicht der Aufseher gut gerüstet. Im
Szenario des diesjährigen Banken-Stresstests verbuchten die untersuchten
Geldhäuser zwar insgesamt Verluste von 547 Milliarden Euro, wie die Europäische
Bankenaufsicht EBA am Freitagabend in Paris mitteilte. Dennoch behielten sie
starke Kapitalpuffer. So rutschte die harte Kernkapitalquote der Banken in der
simulierten Krise insgesamt von 15,8 auf 12,1 Prozent nach unten.
Die European Banking Authority (EBA) hatte insgesamt 64 Banken in der EU
aufgefordert, ihre Kapitalpuffer rechnerisch einer schweren Krise zu
unterziehen. Die Geldhäuser stehen für etwa 75 Prozent des hiesigen
Bankenmarktes.
Recht deutlich würde die Krise hierzulande die Deutsche Bank treffen: Deren harte Kernkapitalquote würde im Test von 14,0 Prozent zunächst
bis auf 9,2 Prozent sinken und bis 2027 wieder auf 10,2 Prozent steigen. Bei der
Commerzbank ginge sie hingegen schrittweise von 15,3 auf 10,5
Prozent zurück.
Bei den untersuchten Landesbanken ist das Feld zweigeteilt: Die Landesbank
Hessen-Thüringen (Helaba) hätte am Ende der Krise noch eine harte
Kernkapitalquote von 7,5 Prozent, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sogar
nur 6,8 Prozent. Die BayernLB mit 14,3 Prozent und die NordLB mit 13,5 Prozent
hingegen stünden mehr als doppelt so stark da. Auch die DZ Bank, das
Zentralinstitut der Genossenschaftsbanken, kommt mit 13,6 Prozent deutlich
besser davon, ebenso der Autofinanzierer Volkswagen Financial Services
mit 14,7 Prozent.
Das Krisenszenario erstreckte sich über die Jahre 2025 bis 2027. Spannungen
in der Weltpolitik führen darin zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung der EU
um insgesamt 6,3 Prozent. Die Aktienkurse brechen um bis zu 50 Prozent ein.
Gewerbeimmobilien verlieren fast 30 Prozent an Wert. Am Ende steht die
Arbeitslosenquote bei 6,1 Prozent. Die Inflation steigt zunächst auf 5,0
Prozent. Bis 2027 geht sie auf 1,9 Prozent zurück.
Die Banken sollten durchrechnen, wie sie mit einer solchen Wirtschaftskrise
zurechtkämen. In Deutschland nahm die EBA neben den genannten Banken auch
mehrere hier ansässige Töchter von US-Banken unter die Lupe.
Seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 überprüfen
Aufseher rund um den Globus mit solchen Stresstests regelmäßig, wie anfällig
Banken im Krisenfall wären. Die Tests sollen möglichst frühzeitig Risiken in den
Bilanzen offenlegen. Gegebenenfalls können Aufseher in der Folge von einzelnen
Geldhäusern frühzeitig einfordern, ihre Kapitalpuffer zu verstärken.
Unumstritten sind Stresstests nicht: Welche Risiken in den hypothetischen
Szenarien wie stark gewichtet werden, liegt in der Hand der Aufseher./stw/zb/he