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dpa-AFX: ROUNDUP 2/Träges Konjunkturumfeld: Auch Evonik wird vorsichtiger für 2025

(Äußerungen aus Telefonkonferenz zum Fortschritt bei den Kostensenkungen
2025 im vorletzten Absatz, Kurs aktualisiert)

ESSEN (dpa-AFX) - Evonik blickt in einem von der
US-Zollpolitik sowie von Konjunkturproblemen geprägten Umfeld etwas vorsichtiger
auf 2025. "Das zweite Quartal war geprägt von schwacher Nachfrage und hoher
Verunsicherung", sagte Konzern-Chef Christian Kullmann am Freitag bei der
Vorlage der Zahlen fürs zweite Quartal. Er rechnet nun mit einem um
Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen
(Ebitda) am unteren Ende der Prognosespanne von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro -
aber auch nur, wenn sich die globale Konjunktur nicht weiter abschwächt.

Nach Prognosesenkungen durch andere Chemiekonzerne wie BASF
und Covestro überrascht der vorsichtigere Ausblick nicht.
Analysten erwarteten zuletzt denn auch lediglich ein operatives Ergebnis von
knapp mehr als 2 Milliarden Euro, was etwas weniger wäre als 2024.

Für den Aktienkurs ging es am Vormittag auf bis zu 16,48 Euro nach unten und
damit auf ein Tief seit Januar. Zuletzt notierten die Papiere mit 16,65 Euro
noch knapp fünf Prozent im Minus. Zwar habe der operative Gewinn im zweiten
Quartal die Erwartungen erreicht, doch hätten sich der Absatz und damit auch der
Umsatz schlechter entwickelt als gedacht, erklärt Analyst Thomas Schulte-Vorwick
vom Bankhaus Metzler.

Im zweiten Quartal erzielte Evonik bei einem Umsatzrückgang um elf Prozent
auf 3,5 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 509 Millionen Euro. Das sind
zwölf Prozent weniger als vor einem Jahr. Zudem flossen 211 Millionen Euro
Barmittel ab - vor einem Jahr hatte es noch einen positiven Free Cashflow von
217 Millionen Euro gegeben.

Mit Blick auf den niedrigeren Umsatz muss allerdings berücksichtigt werden,
dass vor einem Jahr das inzwischen verkaufte Geschäft mit Superabsorbern -
saugfähige Materialien unter anderem für Windeln - noch enthalten war.

Dieser Bereich zählte ebenso zum Geschäft mit Standardchemikalien wie auch
der C4-Verbund rund um petrochemische Zusätze für Kautschuk, Kunststoffe und
Spezialchemikalien, von dem sich Evonik perspektivisch auch trennen will. Hier
liefen die Geschäfte zuletzt weiter träge. Außerdem dauerten in anderen
Geschäftsbereichen Wartungsstillstände von Produktionsanlagen länger als
geplant, etwa beim Kunststoff Polyamid 12, was ebenfalls auf dem Gewinn lastete.

Unter dem Strich verdiente Evonik dennoch 120 Millionen Euro, nachdem vor
einem Jahr wegen Rückstellungen für ein Sparprogramm ein Verlust von 5 Millionen
Euro angefallen war.

Mit dem Effizienzprogramm, das auch Stellenstreichungen umfasst, sollen die
jährlichen Kosten bis Ende 2026 um rund 400 Millionen Euro gesenkt werden. In
einer Telefonkonferenz mit Analysten an diesem Freitag sah sich die
Unternehmensführung auf einem guten Weg, die in diesem Zuge für 2025 geplanten
Einsparungen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag zu erreichen. All das
ist ein Teil des Konzernumbaus hin zur Spezialchemie, den Kullmann vorantreibt.
Dabei wird auch das Management gestrafft.

In diesem Zuge wurden die Aktivitäten zudem in zwei Sparten, Custom
Solutions und Advanced Technologies, gegliedert. Die Geschäfte im Segment Custom
Solutions sieht Evonik eher in Nischenmärkten mit spezifischen Produkten für die
Kunden. Dazu zählen etwa Additive für Lacke und Beschichtungen sowie Produkte
für die Kosmetik- und Pharmaindustrie. Die Sparte Advanced Technologies soll
sich im Wettbewerb vor allem durch im Vergleich niedrige Kosten behaupten.
Gebündelt sind hier unter anderem Hochleistungskunststoffe und
Wasserstoffperoxid./mis/men/zb/nas

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