dpa-AFX: ROUNDUP/Träges Konjunkturumfeld: Auch Evonik wird vorsichtiger für 2025
ESSEN (dpa-AFX) - Evonik blickt in einem von der
US-Zollpolitik sowie von Konjunkturproblemen geprägten Umfeld etwas vorsichtiger
auf 2025. "Das zweite Quartal war geprägt von schwacher Nachfrage und hoher
Verunsicherung", sagte Konzern-Chef Christian Kullmann am Freitag bei der
Vorlage der Zahlen fürs zweite Quartal. Er rechnet nun mit einem um
Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen
(Ebitda) am unteren Ende der Prognosespanne von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro -
aber auch nur, wenn sich die globale Konjunktur nicht weiter abschwäche.
Nach Prognosesenkungen durch andere Chemiekonzerne wie BASF und Covestro überrascht der vorsichtigere Ausblick nicht.
Analysten erwarteten zuletzt denn auch lediglich ein operatives Ergebnis von
knapp mehr als 2 Milliarden Euro, was etwas weniger wäre als 2024.
Für den Aktienkurs ging es am Vormittag dennoch um mehr als drei Prozent auf
16,90 Euro nach unten. Zwar habe der operative Gewinn im zweiten Quartal die
Erwartungen erreicht, doch hätten sich der Absatz und damit auch der Umsatz
schlechter entwickelt als gedacht, erklärt Analyst Thomas Schulte-Vorwick vom
Bankhaus Metzler.
Im zweiten Quartal erzielte Evonik bei einem Umsatzrückgang um elf Prozent
auf 3,5 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 509 Millionen Euro. Das sind
zwölf Prozent weniger als vor einem Jahr. Zudem flossen 211 Millionen Euro
Barmittel ab - vor einem Jahr hatte es noch einen positiven Free Cashflow von
217 Millionen Euro gegeben.
Mit Blick auf den niedrigeren Umsatz muss allerdings berücksichtigt werden,
dass vor einem Jahr das inzwischen verkaufte Geschäft mit Superabsorbern -
saugfähige Materialien unter anderem für Windeln - noch enthalten war.
Dieser Bereich zählte ebenso zum Geschäft mit Standardchemikalien wie auch
der C4-Verbund rund um petrochemische Zusätze für Kautschuk, Kunststoffe und
Spezialchemikalien, von dem sich Evonik perspektivisch auch trennen will. Hier
liefen die Geschäfte zuletzt weiter träge. Außerdem dauerten in anderen
Geschäftsbereichen Wartungsstillstände von Produktionsanlagen länger als
geplant, etwa beim Kunststoff Polyamid 12, was ebenfalls auf dem Gewinn lastete.
Unter dem Strich verdiente Evonik dennoch 120 Millionen Euro, nachdem vor
einem Jahr wegen Rückstellungen für ein Sparprogramm ein Verlust von 5 Millionen
Euro angefallen war.
Mit dem Effizienzprogramm, das auch Stellenstreichungen umfasst, sollen die
jährlichen Kosten bis Ende 2026 um rund 400 Millionen Euro gesenkt werden. All
das ist ein Teil des Konzernumbaus hin zur Spezialchemie, den Kullmann
vorantreibt.
In diesem Zuge wurden die Aktivitäten in zwei Sparten, Custom Solutions und
Advanced Technologies, gegliedert. Die Geschäfte im Segment Custom Solutions
sieht Evonik eher in Nischenmärkten mit spezifischen Produkten für die Kunden.
Dazu zählen etwa Additive für Lacke und Beschichtungen sowie Produkte für die
Kosmetik- und Pharmaindustrie. Die Sparte Advanced Technologies soll sich im
Wettbewerb vor allem durch im Vergleich niedrige Kosten behaupten. Gebündelt
sind hier unter anderem Hochleistungskunststoffe und
Wasserstoffperoxid./mis/men/zb