dpa-AFX: ROUNDUP: Evotec verkauft Standort in Toulouse wohl an Sandoz - Börse freut sich
HAMBURG (dpa-AFX) - Der kriselnde Hamburger Wirkstoffforscher und
-entwickler Evotec wird sich im Zuge seines Umbaus
voraussichtlich auch von seinen Aktivitäten in Toulouse trennen. Die Hanseaten
wollen den Standort an den Schweizer Generikahersteller Sandoz verkaufen, mit dem Evotec bereits eine längere Partnerschaft verbindet. Beide
Seiten hätten eine nicht bindende Vereinbarung über einen möglichen Verkauf
getroffen, teilte der MDax -Konzern am Mittwoch mit. Sollte es
tatsächlich zur Veräußerung kommen, fließen Evotec unter anderem rund 300
Millionen Dollar in bar zu. Für die Investoren an der Börse sind dies gute
Nachrichten, nachdem Evotec erst kürzlich sein Umsatzziel für das Jahr gesenkt
hatte.
Die Aktie führte zuletzt mit einem Kursplus von gut vier Prozent den MDax
an. Nach der Prognosesenkung vor knapp zehn Tagen war das Papier noch auf das
tiefste Niveau seit Mitte April gefallen, doch ist der Kurssturz inzwischen
komplett verdaut. Im bisherigen Jahresverlauf steht aber immer noch ein Minus
von rund sechs Prozent zu Buche, ganz zu schweigen von den längerfristigen
Verlusten: Im Vergleich zum Mehrjahreshoch von knapp 46 Euro aus dem
Pandemiejahr 2021 hat der Kurs um mehr als 80 Prozent nachgegeben.
Der vor dem Verkauf an Sandoz stehende Standort wird bisher von der Tochter
Just-Evotec Biologics betrieben, die sich in Toulouse auf die Entwicklung und
Herstellung von biotechnologischen Arzneiwirkstoffen spezialisiert hat. Das
Unternehmen hat dort jüngst auch eine moderne Anlage in Betrieb genommen, mit
der nach früheren Konzernangaben die biologischen Substanzen besonders schnell
und kosteneffizienter als üblich hergestellt werden können.
Gemäß der bisher ausgehandelten Vereinbarung würde Sandoz nun alleiniger
Betreiber in Toulouse, sämtliche Ressourcen der Hamburger würden an die
Schweizer übertragen. Wie Sandoz in einer separaten Mitteilung verkündete, will
der Konzern Toulouse zur Entwicklung und Produktion von Biosimilars nutzen, die
die Schweizer als Wachstumsmarkt ansehen. Im Gegenzug soll Evotec neben den 300
Millionen Dollar weitere technologiebezogene Leistungen erhalten, zuzüglich
künftiger Entwicklungsumsätze, Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen.
Für Charles Weston von der kanadischen Bank ist der Deal nur ein logischer
Schritt, angesichts der im April angekündigten neuen Strategie von Evotec. Er
weist zudem darauf hin, dass der Standort in Toulouse im Zuge der Partnerschaft
mit Sandoz ohnehin bereits seit Juli des vergangenen Jahres ganz dem Schweizer
Generikahersteller gewidmet sei.
Evotec verspricht sich derweil von dem Verkauf eine Verbesserung der
Gewinnmargen. Zudem dürfte die Transaktion unmittelbar zu einer Verbesserung des
kurz-, mittel- und langfristigen Umsatzmixes und der Kapitaleffizienz des
Konzerns führen, hieß es vom Unternehmen.
Nach dem Weggang des langjährigen Chefs Werner Lahntaler Anfang 2024 steckt
Evotec unter der Führung von dessen Nachfolger Christian Wojczewski derzeit
mitten im Umbau. Das Unternehmen will sich auf hochwertige Dienstleistungen und
Therapiegebiete konzentrieren, das Projekt-Portfolio um etwa 30 Prozent
reduzieren und stärker auf Automation und künstliche Intelligenz setzen. Teil
des Sparplans ist auch der Rückzug aus dem Gentherapiegeschäft. Neben der
Schließung eines Standortes in Österreich wurde bereits ein Produktionsstandort
im westfälischen Halle verkauft.
Die genauen Details des Vertrags sollen nun weiter ausgearbeitet werden,
auch unter Beteiligung der betroffenen Arbeitnehmervertretungen, teilte Sandoz
weiter mit. Auch müsse abgewartet werden, ob die Mitarbeiter das in Frankreich
verpflichtende Vorkaufsrecht nutzen werden. Ob der Deal zu Stande komme, hänge
zudem von den üblichen behördlichen Genehmigungen ab./tav/mne/mis