dpa-AFX: ROUNDUP 2: Deutsche Bank verdient so viel wie seit 2007 nicht - Dax-Spitze
(neu: Hintergrund zu Umbauprogramm und früheren Krisen, aktualisierte
Kursreaktion, Analystenstimme)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Bank hat im zweiten
Quartal so viel verdient wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Nach überraschend
guten Geschäften sieht sich Deutschlands größtes Geldhaus auf gutem Weg zu
deutlich mehr Gewinn im laufenden Jahr. "Wir freuen uns sehr, sowohl im zweiten
Quartal als auch im ersten Halbjahr den höchsten Gewinn seit 2007 erzielt zu
haben", sagte Vorstandschef Christian Sewing in Frankfurt. "Damit sind wir auf
Kurs, unsere Ziele für 2025 zu erreichen." Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten
hervorragend an.
Die Deutsche-Bank-Aktie legte zwischenzeitlich um gut acht Prozent auf
28,565 Euro zu und wurde damit so teuer gehandelt wie seit rund zehn Jahren
nicht mehr. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier mehr als 70 Prozent gewonnen.
"Der zwischendurch ins Wanken geratene deutsche Branchenprimus ist wieder
zurück auf der Erfolgsspur", schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom
Broker RoboMarkets. Auch Analyst Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan sieht
das Frankfurter Geldhaus jetzt auf gutem Weg, die angestrebte Rendite auf das
materielle Eigenkapitalkapital von 10 Prozent im laufenden Jahr zu erreichen.
Sewing hat die Bank nach Jahren voller Skandale und Krisen in den
vergangenen Jahren wieder auf die Beine gebracht. Nach mehreren Verlustjahren in
Folge hatte er 2019 einen radikalen Konzernumbau eingeleitet. Seitdem fielen
tausende Jobs bei dem Geldhaus weg. Die vergangenen Jahre gestalteten sich
dennoch holprig.
So sorgte die IT-Umstellung beim Ableger Postbank massenhaft für Ärger unter
den Kunden, und die Finanzaufsicht Bafin schickte dem Konzern zwischenzeitlich
sogar einen Aufpasser ins Haus. Inzwischen hat sich die Lage wieder beruhigt.
Dafür schlug ein Streit mit Kleinaktionären über die Übernahme der Postbank 2024
mit etlichen Jahren Verzögerung noch einmal teuer zu Buche.
Doch 2025 ist der Ärger Geschichte: Im zweiten Quartal verdiente die
Deutsche Bank unter dem Strich fast 1,5 Milliarden Euro und damit deutlich mehr
als von Analysten im Schnitt erwartet. Ein Jahr zuvor hatte eine
milliardenschwere Rückstellung wegen der Postbank-Übernahme dem Dax-Konzern
einen Verlust von 143 Millionen eingebrockt.
Jetzt gelang dem Geldhaus dank höherer Erträge, gesunkener Kosten und
weniger Risikovorsorge für Kreditausfälle eine Rendite auf das materielle
Eigenkapital von 10,1 Prozent. Im ersten Halbjahr lag sie sogar bei 11 Prozent
und damit über der Marke von 10 Prozent, die Sewing im laufenden Jahr
übertreffen will. Analysten glaubten bisher nicht an dieses Ziel und hatten
zuletzt im Schnitt nur eine Rendite von 9 Prozent auf dem Zettel.
Im ersten Halbjahr verdiente die Deutsche Bank unter dem Strich knapp 3,3
Milliarden Euro und damit fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Vor Steuern
waren es 5,3 Milliarden Euro. Das war mehr als doppelt so viel wie ein Jahr
zuvor und etwa so viel wie im gesamten Jahr 2024.
So steigerte die Bank ihre Erträge trotz der gesunkenen Zinsen im ersten
Halbjahr um sechs Prozent auf 16,3 Milliarden Euro und damit stärker als von
Analysten erwartet. Für das Gesamtjahr hat sich Sewing 32 Milliarden Euro
vorgenommen und sieht dieses Ziel nun in Reichweite. Auch hier gingen Analysten
bislang von weniger aus.
Zu der positiven Entwicklung trugen alle Geschäftsbereiche bei: Sowohl die
Unternehmensbank als auch die Investmentbank, die Privatkundenbank und die
Fondstochter DWS verdienten mehr als im Vorjahreszeitraum. Den
höchsten Vorsteuergewinn fuhr im ersten Halbjahr wieder einmal das
Investmentbanking ein, zu dem das Geschäft mit Beratung bei Fusionen und
Übernahmen und der Handel mit Anleihen zählt.
Rechnet man Sonderposten wie die Rückstellungen im Postbank-Streit heraus,
hielt die Deutsche Bank ihre Kosten im ersten Halbjahr mit 10,1 Milliarden Euro
nahezu stabil. Dabei zehrten die gesamten Kosten konzernweit nur noch 62,3
Prozent der Erträge auf.
Damit sieht Sewing sein Ziel in Reichweite, diese Quote im laufenden Jahr
auf weniger als 65 Prozent zu drücken. Zum Vergleich: In den Jahren 2023 und
2024 hatte die Deutsche Bank für jeden Euro Ertrag noch mehr als 75 Cent
aufwenden müssen.
Im Januar hatte Sewing ein neues Umbauprogramm mit dem Titel "Deutsche Bank
3.0" angekündigt. Das Management sieht Potenzial, durch schlankere Hierarchien
und mehr Einsatz von Künstlicher Intelligenz Kosten zu senken. Erst im März
hatte die Deutsche Bank angekündigt, dieses Jahr etwa 2.000 Stellen zu streichen
und die Zahl der Filialen weiter zu reduzieren.
Jetzt will die Bank noch mehr Geld für den Rückkauf eigener Aktien ausgeben.
Sie habe bei der Aufsichtsbehörde einen weiteren Aktienrückkauf für das laufende
Jahr beantragt. Wenn er genehmigt wird, könnten die Dividenden und
Aktienrückkäufe die bislang für 2025 erwartete Gesamtsumme von 2,1 Milliarden
Euro übersteigen./stw/als/nas/mis