dpa-AFX: ROUNDUP: Jungheinrich kappt Gewinnziel - Sparprogramm und Stellenabbau
HAMBURG (dpa-AFX) - Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich schätzt seine Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr vorsichtiger ein als
bisher. Die Prognosen für Umsatz und Auftragseingang wurde angepasst, das
Gewinnziel gesenkt. Zudem verkündete das Management ein Sparprogramm. Davon
seien weltweit 1000 Stellen betroffen, teilte der Hamburger
MDax-Konzern am Donnerstag auf Nachfrage hin mit. Die Aktie sackte
ab.
Der Kurs brach bis auf 34,14 Euro ein, was ein Abschlag von über 15 Prozent
bedeutete. Auch der Aktienkurs des Konkurrenten Kion geriet
kurzzeitig unter Druck, holte die Verluste aber wieder auf und drehte ins Plus.
Beide Papiere waren in den vergangenen Monaten stark gelaufen, in Erwartung
einer Konjunkturbelebung Deutschlands durch die geplanten
Milliardeninvestitionen des Bundes in Infrastruktur und Rüstung. Für 2025 steht
trotz des Kursknicks vom Donnerstag für Jungheinrich noch ein Anstieg von einem
Drittel auf dem Kurszettel. Und Kion kommt sogar auf über 60 Prozent.
Das Ziel des Sparprogramms ist Jungheinrich zufolge die "Sicherstellung der
globalen Wettbewerbsfähigkeit." Produktion, Management und Verwaltung sollen
optimiert, Stellen sowohl abgebaut als auch verlagert werden. Welche Standorte
von den Kosteneinsparungen betroffen sein werden, dazu wollte Jungheinrich keine
Angaben machen. Ein Unternehmenssprecher verwies zudem auf die erforderlichen
Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Der Konzern beschäftigte Ende 2024
rund 21.000 Angestellte.
Durch das Sparprogramm sollen bei Jungheinrich die Kosten mittelfristig um
rund 100 Millionen Euro pro Jahr sinken. Allerdings verursachen die Pläne
zunächst Einmalaufwendungen von rund 90 Millionen Euro im laufenden Jahr. Zwei
Drittel davon sollen im aktuellen Quartal anfallen und rund ein Drittel im
Schlussjahresviertel.
Im angestammten Geschäft mit Staplern und Lagertechnik belastet Jungheinrich
wie auch seine Konkurrenz, dass die Kunden seit geraumer Zeit vermehrt Maschinen
und Geräte aus dem günstigeren Einstiegssegment nachfragen - was nicht zuletzt
den Wettbewerbern aus China zugutekommt. Zudem hält die konjunkturelle Schwäche
in Europa und insbesondere dem Heimatmarkt Deutschland an.
Für 2025 rechnet der Jungheinrich-Vorstand nun mit einem Auftragseingang
zwischen 5,3 und 5,9 Milliarden Euro, statt bisher mit 5,5 bis 6,1 Milliarden.
Der Umsatz soll 5,3 bis 5,9 Milliarden Euro (alt 5,4 bis 6,0 Milliarden)
erreichen und der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte zwischen 280 und
350 Millionen Euro (alt 430 bis 500 Millionen) liegen. Das ist deutlich weniger
Gewinn als von Analysten aktuell im Durchschnitt erwartet.
Anfang Mai hatte Jungheinrich sich ehrgeizige Wachstumsziele bis 2030
gesetzt. Die Hamburger wollen bis zum Ende des Jahrzehnts 10 Milliarden Euro
Umsatz machen, wovon 10 Prozent als operativer Gewinn vor Zinsen und Steuern
hängen bleiben soll. Analysten waren hingegen eher skeptisch, dass diese Ziele
zu erreichen sind. Das nun verkündete Sparprogramm dürfte auf die höhere
Profitabilität einzahlen.
Jefferies-Analyst Lucas Ferhani merkte an, dass Jungheinrich bislang nicht
auf einen Restrukturierungsbedarf verwiesen habe. Er führte das Sparprogramm
daher auf die anhaltende Marktschwäche im Gabelstaplergeschäft und den
anhaltenden Wettbewerbsdruck zurück.
Er verglich die Kostenmaßnahmen von Jungheinrich mit jenen von Kion. Die
Frankfurter hatten ihrerseits bereits Anfang Februar ein Sparprogramm verkündet.
Ferhani kommt zu dem Schluss, dass die Gesamtkosten und die Dauer, bis die
Kosten für die Programme gedeckt sind, bei den beiden Unternehmen ähnlich sind.
Allerdings kämen die Vorteile der Einsparungen bei Jungheinrich erst etwas
später zum Tragen. Der Analyst hält die Sparprogramme für "die richtigen
strategischen Schritte"./lew/mis/stk