dpa-AFX: ROUNDUP: Deutsche Chemiebranche erwartet auch 2025 keine Trendwende
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutsche Chemie- und Pharmabranche stabilisiert
sich, findet aber noch keine kraftvolle Erholung von ihrer Krise. Im ersten
Halbjahr sank der Umsatz gemessen am Vorjahreszeitraum minimal um 0,5 Prozent
auf 107 Milliarden Euro, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in
Frankfurt mitteilte. Die Produktion fiel bei stagnierenden Preisen um ein
Prozent.
Damit habe die Branche die rasante Talfahrt der vergangenen Jahre gestoppt,
so der VCI. Die Unternehmen rechneten aber erst im kommenden Jahr mit einem
Aufschwung. "Für 2025 zeichnet sich für unsere Branche keine Trendwende ab",
sagte Präsident Markus Steilemann. Rund 40 Prozent der Mitgliedsunternehmen
klagten aktuell über Auftragsmangel.
Steilemann spürt jedoch Rückenwind von der Politik. In Berlin und Brüssel
gebe es ein Umdenken. "Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Bürokratieabbau
stehen wieder oben auf der politischen Agenda." Die neue Bundesregierung habe
erste wichtige Schritte ergriffen. "Endlich scheinen Deutschland und Europa aus
ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen."
Er forderte etwa einen Industriestrompreis und den Abbau von Bürokratie, die
die deutsche Wirtschaft laut Ifo-Institut jährlich 146 Milliarden Euro kostet.
Pharma profitiert von Trumps Zolldrohungen
Im ersten Halbjahr profitierte die drittgrößte deutsche Industriebranche
nach dem Auto- und Maschinenbau abermals von guten Pharma-Geschäften. Dort legte
die Produktion um zwei Prozent zu, während die Herstellung in der Chemie bei
schwacher Auslastung um drei Prozent sank. Die Zahl der Beschäftigten blieb
insgesamt mit rund 480.000 hierzulande stabil - obwohl Konzerne wie BASF
Anlagen stilllegen.
Noch im ersten Quartal hatte die Chemie- und Pharmabranche deutliche
Zuwächse bei Umsatz und Produktion verzeichnet - auch, weil Kunden aus Sorge vor
US-Zöllen auf Medikamente Bestellungen vorzogen.
Kein Wachstum 2025 erwartet
Für dieses Jahr bestätigte der VCI seine Prognose. Demnach wird die
Produktion stagnieren und der Umsatz leicht um ein Prozent sinken. Eine
Belastung bleibe der Zollstreit mit den USA, sagte Steilemann. "Trumps
Protektionismus bringt die Weltwirtschaft zunehmend aus dem Takt - mit Folgen
auch für uns."
Die energieintensive Chemie leidet schon länger unter gestiegenen
Energiepreisen und der Konjunkturflaute. Im ersten Halbjahr produzierte die
Chemie laut VCI rund 20 Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2018.
Konzerne wie BASF und Evonik haben bereits große
Sparprogramme samt Stellenabbau verkündet. Erst zuletzt senkten BASF und der
Kunststoffkonzern Covestro ihre Geschäftsprognosen./als/DP/jha