dpa-AFX: ROUNDUP: Hellofresh leidet unter träger Kochboxen-Nachfrage - Aktie legt zu
BERLIN (dpa-AFX) - Hellofresh hat zum Jahresstart wegen des
weiterhin schwächelnden Geschäfts mit Kochboxen wie erwartet einen deutlichen
Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Mitte März hatte das Management bereits ein
schwieriges Auftaktquartal in Aussicht gestellt. Nun fielen die Zahlen aber
nicht ganz so schlimm aus wie von Analysten befürchtet. Hellofresh-Chef Dominik
Richter bestätigte am Dienstag die Jahresprognose, sprach in einer
Analystenkonferenz allerdings von zunehmender makroökonomischer Unsicherheit und
Gegenwind durch Wechselkurseffekte. Die Aktien legten stark zu.
Im frühen Handel kletterten die Papiere um fast zehn Prozent auf 9,26 Euro
und damit auf ein Hoch seit Mitte März. Seit Jahresbeginn haben sie aber noch
immer rund ein Viertel an Wert verloren. In der Corona-Pandemie erreichten die
Aktien Ende 2021 ein Rekordhoch bei 97,50 Euro. Angesichts von Lockdowns kochten
viele Menschen ihr Essen damals Zuhause selbst. Seit diesem Boom geht die
Nachfrage nach Kochboxen jedoch spürbar zurück.
Die Erlöse fielen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um
rund sieben Prozent auf 1,93 Milliarden Euro, wie der MDax-Konzern
in Berlin mitteilte. Während der Umsatz mit Kochboxen um 13,5
Prozent schrumpfte, legte die Sparte rund um Fertiggerichte 10,5 Prozent zu.
Ein Händler sprach von besser als erwarteten Zahlen auf niedrigem Niveau.
Unter dem Strich gäben die Resultate aber keinen Hinweis darauf, ob der
Umkehrschwung zum Besseren Fahrt aufnehme, bemängelte JPMorgan-Analyst Marcus
Diebel. Simon Baker vom US-Analysehaus Bernstein Research betonte, dass es für
Hellofresh noch ein weiter Weg sei, um Vertrauen zurückzugewinnen.
Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und
Abschreibungen (ber. Ebitda) schnellte wegen des laufenden Sparprogramms um rund
250 Prozent auf 58,1 Millionen Euro nach oben - das war wesentlich mehr als von
Analysten erwartet. Vor allem im Kochboxengeschäft machten sich Einsparungen bei
den Personalkosten und in der Produktion bemerkbar, hier verdoppelte sich das
operative Ergebnis beinahe. Der wachsende Fertiggerichte-Bereich rutschte
derweil operativ noch tiefer in die roten Zahlen. Unter dem Strich entfiel auf
die Anteilseigner ein Verlust von 123,8 Millionen Euro nach einem Minus von 83,9
Millionen im Vorjahresquartal.
Hellofresh spart außerdem bei der Werbung. Die Marketingausgaben seien das
dritte Quartal in Folge zurückgefahren worden, hieß es. Das drückte auch auf die
Bestellungen. Das passt allerdings zur Strategie von Hellofresh: Der Konzern
setzt mittlerweile auf Klasse statt Masse und konzentriert sich auf
"hochwertige" Kunden. Damit meint Hellofresh vor allem profitable Kunden, die
möglicherweise auch ohne Einsatz von Gutscheinen Kochboxen und Fertiggerichte
bestellen.
Im laufenden Jahr erwartet Hellofresh weiterhin einen Umsatzrückgang von
drei bis acht Prozent. Der bereinigte operative Gewinn soll zwischen 450 und 500
Millionen Euro liegen und damit zumindest wieder das Niveau von vor zwei Jahren
erreichen. Bis Ende des laufenden Jahres sollen bereits rund 70 Prozent des
laufenden Sparprogramms umgesetzt sein. Mit dem Programm will Hellofresh bis
2026 jährlich etwa 300 Millionen Euro sparen./niw/mne/mis